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Erklärung der Thüringer
Hochschulkonferenz:
Kürzungen im Hochschulbereich
gefährden Zukunft Thüringens
(2002-02-20 |
11:06 | red)
Die
Thüringer Hochschulkonferenz ist außerordentlich beunruhigt über die
gegenwärtige Diskussion zur Kürzung von Mitteln für Bildung und
Forschung. Der einstimmige Beschluss der Finanzminister vom
vergangenen Herbst, angesichts eines eventuellen Rückgangs der
Studierendenzahlen zum Ende dieses Jahrzehnts bereits jetzt - bei
tatsächlich steigenden Studierendenzahlen - eine Kürzung der Ausgaben
für Bildung und Forschung ins Auge zu fassen, ist in keiner Weise
nachvollziehbar. Er verkennt zudem die herausragende Bedeutung, die
Bildung und Forschung für unser Land und seine Zukunft besitzen.
Darüber hinaus werden dadurch gerade diejenigen Bereiche unserer
Gesellschaft, die über Jahrzehnte hinweg seit dem unsäglichen
Beschluss zur "Untertunnelung des Studentenberges" weit
Überdurchschnittliches geleistet haben, in einer Weise demotiviert,
wie es bisher durch fast keine andere staatliche Regelung erfolgte.
Die Thüringer
Hochschulkonferenz verkennt nicht, dass die Haushaltslage aller Länder
der Bundesrepublik Deutschland nur geringe Spielräume erlaubt. Sie
fordert daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch nicht die Zuwächse, die
angesichts der seit Jahren krass unterfinanzierten Hochschulen
dringend erforderlich wären. Mit Blick auf die gegenwärtige Lage in
Thüringen appelliert sie jedoch eindringlich an alle politisch
Verantwortlichen, die Hochschulen als Zukunftsträger des Freistaates
nicht in die Schließung der Finanzlücke, die sich im laufenden
Haushalt geöffnet hat, einzubinden. Wenn das Wort von der "Denkfabrik
Thüringen" keine leere Hülse darstellen soll, muss alles getan werden,
die Hochschulen als Entwicklungsabteilung dieser Fabrik zu stärken, um
diejenigen Produkte liefern zu können, die für die Sicherung der
Zukunft des Freistaates Thüringen benötigt werden: bestens
ausgebildete Köpfe mit innovativen Ideen!
Ausgaben für die Hochschulen sind Investitionen in die Zukunft und
nicht etwa konsumtive Aufwendungen, wie dies fälschlich oftmals
gesehen wird. Die Thüringer Hochschulkonferenz nimmt die sich hieraus
ergebende Verantwortung sehr ernst und wendet sich daher entschieden
gegen Kürzungen im Hochschulbereich. Schon auf der Basis der
bisherigen Haushaltslage ist es den Hochschulen nur durch den weit
überdurchschnittlichen Arbeitseinsatz ihrer Mitglieder gelungen,
nachhaltige Schäden vom Forschungs- und Studienstandort Thüringen
abzuwenden. Eine weitere Beschneidung der Ressourcen wird zwangsläufig
einen Verlust an Qualität und eine Verlängerung der Studienzeiten nach
sich ziehen sowie dem politisch artikulierten Anspruch, Anschluss an
die Spitzenforschung der Welt zu gewinnen und den Abstand zur
US-amerikanischen Forschung zu verringern, jede Glaubwürdigkeit
nehmen. Die Hochschulen dürfen aber zu recht davon ausgehen, dass
ihnen für die Erfüllung der an sie herangetragenen Erwartungen die
erforderlichen Mitteln gewährt werden - alles andere wäre eine
Irreführung, die Resignation auslösen und das Vertrauen in die Politik
beschädigen würde.
gez. Prof. Heinrich Kern
Vorsitzender der Thüringer Hochschulkonferenz
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