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Ein Böckchen namens Peter
Traditionelle Schafschur im Freilichtmuseum Hohenfelden
(2002-05-27 | 13:12 | br)
Hohenfelden (itn) - Mehr als 600 Zuschauer erlebten gestern die 9. traditionelle Schafschur im Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden. Im Mittelbauernhof verloren insgesamt 19 Rhönschafe durch die fachkundige Hand zweier Schäfer ihr wollenes Kleid. Während Karl-Heinz Winter aus Weimar-Schöndorf den Tieren mit einer elektrischen Schermaschine zu Leibe rückte, blieb Kollege Manfred Ruft aus Arnstadt bei Altbewährtem. Sein Werkzeug war eine seit der Bronzezeit fast unveränderte Handschere, auch Schnippe genannt. „Wir machen hier kein Leistungsscheren“, betonte Museumsleiter Michael Happe, „sondern demonstrieren den Besuchern die Technik der Schur.“
In DDR-Zeiten sank die Zahl der Rhönschafe vor allem in Ostdeutschland drastisch, weiß Züchter Hans-Joachim Bergk aus Legefeld. Die Tiere liefern mit Wollgruppe C/D eine grobe Wolle, die eher für Mäntel und Armeesachen geeignet ist und wurden deshalb durch andere, feinere Wolle liefernde, Arten ersetzt. Trotz Fördermitteln für die Zucht gilt die Art in Deutschland als vom Aussterben bedroht, weil die Zahl der Mutterschafe noch immer unter Zehntausend liegt.
Bis zu vier Kilogramm Rohwolle trägt jedes der ausgewachsenen Mittelgebirgsschafe am Körper. Um aus diesem so genannten Vlies die Reinwolle zu erhalten, werden später Schmutz Futterreste und Wollfett ausgewaschen. Wie es die Wolle schließlich bis zum Pullover schafft, konnte man sich ebenfalls vor Ort anschauen. Rund um den alten Taubenturm wurde in allen Schritten die häusliche Wollverarbeitung mit Kämmen, Filzen, Spinnen, Weben und Färben demonstriert und traditionelle Wollprodukte zum Kauf angeboten.
Bei der Taufe der Lämmer halfen die kleinen Besucher tatkräftig mit. Die fünf Monate alten Jungtiere wurden unter feierlichem Schellengeläut auf die Namen Peter, Hanni, Molly und Lotti getauft. Melody Schieck aus Kranichfeld freute sich über ein Rhönschaf-Kuscheltier, den 1. Preis bei der Verlosung unter allen „Täufern“. Und das gab die 7-Jährige an diesem Nachmittag auch nicht mehr aus der Hand. Minuten später hatten die beiden im Zelt von Märchenerzähler Andreas von Rothenbarth Platz genommen und lauschten gemeinsam Grimms Märchen…
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