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Jedes Schicksal bewegt
Neueinweihung des sowjetischen Ehrenfriedhofes in Blankenhain
(2002-09-26 | br)
Blankenhain (itn) - Mit der Einsegnung der Grabsteine und einem Gottesdienst von Pfarrer Michail Rahr wurde gestern der sowjetische Ehrenfriedhof in Blankenhain neu eingeweiht. Der Zeremonie wohnten neben dem russischen Generalkonsul, Nikolay Sirota und Landrat Hans-Helmut Münchberg auch Vertreter der Stadtverwaltung und 40 Blankenhainer Schüler bei. Auf dem von einer halbhohen Mauer umgebenen Begräbnisfeld liegen die sterblichen Überreste von 110 sowjetischen Zwangsarbeitern und Kindern, die zwischen 1944 und 1945 im Reservelazarett Egendorf verstarben. Die meisten von ihnen waren Zwangsarbeiter und Kinder, die dem Fleckfieber erlagen, aber auch 83 sowjetische Häftlinge des KZ Buchenwald fanden hier ihre letzte Ruhe.
In DDR-Zeiten vorbildlich gepflegt und mit Gedenkveranstaltungen bedacht, versank die Ruhestätte nach der Wende in einem Dornröschenschlaf. Die damals noch im Boden liegenden Grabplatten versanken zwischen Laub und Rasen, der Wildwuchs angepflanzter Koniferen begann, den Obelisken zu umhüllen und die Schriftzeichen verwitterten. Stadtarchivarin Sieglinde Hörig und Christiane Knote von der Friedhofsverwaltung, brachten schließlich den Stein für die Sanierung ins Rollen. Sieglinde Hörig entzifferte mühsam die Namen der Toten und verglich die Daten mit den Totenscheinen im Archiv. Keine einfache Aufgabe, denn oft waren die kyrillischen Buchstaben kaum noch zu entziffern oder die Namen falsch geschrieben. Christiane Knote zapfte Fördertöpfe bei der Deutschen Kriegsgräberfürsorge und dem Bundesverwaltungsamt an und organisierte so die benötigten Mittel für die Neugestaltung des Gottesackers.
Aus den ursprünglich 22 Platten sind jetzt 23 Grabsteine aus grauem Granit geworden, die von Steinmetzmeister Seyfarth aus Teichel hergestellt wurden. Die beiden engagierten Frauen aus Blankenhain entschieden sich nämlich für einen weiteren Stein, als sie bei den Namensrecherchen auf weitere vier Namen stießen. Darunter den des Zwangsarbeiter-Kindes Nadja Rjabinkina. Als es in Egendorf an doppelseitiger Lungenentzündung, Rachitis und Unterernährung verstarb, war es gerade 18 Monate alt. „Möge uns der sowjetische Ehrenfriedhof ein Mahnmal gegen Totalitarismus, Überheblichkeit und Menschenverachtung sein“, mahnte Siegline Hörig bei der Einweihung gestern wider das Vergessen.
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