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Historisches Kleinod in Tonndorf saniert
Mausoleum der Familie Dreyßig bald in neuem Glanz
(2002-11-19 | br) Tonndorf (itn) - Wenn man vom Stausee Hohenfelden seine Schritte auf der Straße nach Tonndorf lenkt, fällt dem aufmerksamen Wanderer zuerst das alte Schloss und - über dem Dorfe, umgeben von einem wilden Zaun - der Weidenbachsgarten ins Auge, in dessen Norden ein halboffener Pavillon steht. Eigentlich nur die Einheimischen wissen um das alte Mausoleum der Familie Dreyßig, das auch Johann Wolfgang von Goethe als Freund der Familie oft besuchte. Nachdem es in die Jahre gekommen und das Schieferdach zerfallen war, wurde es in den vergangenen Wochen von Grund auf saniert und soll im kommenden Frühjahr in neuem Glanz erstrahlen.
Die umfangreiche Steinrestaurierung wurde von einem Steinmetzbetrieb aus Storchsdorf ausgeführt. Für Timo Mackeldey war der Pavillon Herausforderung und Routine zugleich. Vor vier Jahren hat sich der heute 29-Jährige gemeinsam mit seinem Bruder Robert (22) selbständig gemacht und schon so machen Auftraggeber verblüfft. Für Rudolstadt habe er einmal einen 8-eckigen Napfbrunnen aus einem Stück geschlagen, berichtet er nicht ohne Stolz. Das Meisterstück des Steinmetzes, eine alte historische Massivsteinarbeit, ist übrigens in der seit Ende September sanierten Dresdner Frauenkirche zu sehen.
Den Löwenanteil seiner Arbeit in Tonndorf machte die Sanierung der Mauer des nördlichen Halbkreises aus. Das zweischalige Mauerwerk besteht aus einer Bruchsteinmauer, die außen mit gleichförmig gerundeten Steinplatten verkleidet ist. Hier nach dem schonenden Rückbau wieder eine haltbare Verbindung herzustellen, war die wichtigste und zugleich schwerste Aufgabe der Sanierung. Jetzt sorgen nach außen nicht sichtbare Klammern und ein spezieller Kalkmörtel für guten Halt zwischen den sieben Kubikmeter Steinen, die der 29-Jährige hier seit Ende September insgesamt bewegt hat.
Erbaut wurde der Pavillon mit einem Außendurchmesser von 6,30 Metern im Jahre 1750 vom Forstkommissar Christoph Heinrich Ludwig. Karl Ehrenfried Dreyßig, der den ehemaligen Burghof 1795 käuflich erwarb, kaufte 1819 auch den Weidenbachsgarten, in welchem er eine Obstbaumschule anlegte. Nach einem qualvollen Tod im Fischkasten des Weidenbachteiches (dessen Umstände nach wie vor ungeklärt sind) wurden er und später auch seine Frau Auguste Friederike im Pavillon zur ewigen Ruhe gebettet. „Diese Gruft haben wir bei den Sanierungsarbeiten gefunden“ bestätigt Timo Mackeldey die historischen Aufzeichnungen.
Wenn im nächsten Jahr die sechs Säulen und die Treppe im barocken Stil den südlichen Halbkreis des Bauwerkes vervollständigt haben, wird das Mausoleum auch wieder sein ursprüngliches Schieferdach erhalten, das durch einen Tonndorfer Zimmermann angefertigt wird.
Die Gesamtkosten der Sanierung betragen etwa 15.000 Euro. Karsten Kästner vom Kranichfelder Bauamt sprach gegenüber ITN von einem hohen Förderanteil durch das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und zahlreichen Eigenleistungen von Bürgern. Besonders hätte sich hier der Volkschor Tonndorf eingebracht, würdigte er das Engagement des Vereins.
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