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"Den Hut hat Steffen jetzt allein auf" Familieninterner Wechsel im Bremer Hof Kranichfeld
Seit 1951 hatte hier Willi Gessert mit einer HO-Gaststätte die Urlaubsversorgung der Kranichfelder Touristen übernommen. Danach folgten mehrere Betreiberwechsel und nach dem Tod von Schwiegervater Hans Cyriax im Jahre 1968 entschied sich Bruno Saul schließlich, das Haus gemeinsam mit seiner Frau Sigrid in Eigenregie zu bewirtschaften.
Keine leichte Entscheidung für den damaligen Lagerverwalter, der innerhalb von zwei Monaten zum Gastronom wurde. Nach dem schnellen Umzug von Leinefelde, wo seine Gattin als Lehrobermeisterin der Baumwollspinnerei arbeitete, stand für ihn außerdem noch eine Ausbildung an. Ein Jahr lang hat er in Weimar nochmals die Schulbank drücken und sich zum Gaststättenleiter umschulen müssen. „Das hat die HO damals gefordert“, weiß Bruno Saul auch heute noch und erinnert sich an alte Zeiten, als die Sowjet-Offiziere in den 80er Jahren immer mal zum fröhlichen Trinkgelage einkehrten. „Als ihnen einmal das Geld ausging, kamen sie mit einem halben Schwein auf dem LKW gefahren“ erinnert sich Saul augenzwinkernd und hat gleich noch eine Anekdote parat: Zu DDR-Zeiten sei er einmal wegen einer angeblichen sittenwidrigen Disko angezeigt wurde. Dabei wurden zu einer mitternächtlichen Tanzveranstaltung lediglich einige Dias von leicht bekleideten Damen an die Wand geworfen, die aus dem DDR-Erotik-Blättchen „Das Magazin“ stammten. „Ja, das waren noch Zeiten…“ blinzelt Saul verschmitzt über seinen Brillenrand und macht hinter dem Tresen Platz für seinen Sohn, „aber jetzt soll mal die Jugend ran.“
Dass er den Familienbetrieb damit in qualifizierte Hände legt, weiß der Vater längst. Seit Steffen mit 20 Lenzen nach seinem Armeedienst nach Hause zurückkehrte, hat der gelernte Maurer im elterlichen Restaurant als Kellner sein Brot verdient. Einmal nur wurde er der Heimat untreu, als es ihn kurz nach der Wende in die Bad Berkaer Wilhelmburg zog. Die Stippvisite dauerte allerdings nur ein halbes Jahr, denn zuhause arbeitete es sich eben doch am schönsten. Und die Gastronomie liegt den Sauls richtig im Blut - auch Bruder Falk betreibt in Dienstedt eine Gastwirtschaft und Vater Bruno war schon zu DDR-Zeiten die einzige Gaststätte in Kranichfeld, die trotz vorgeschriebener Preise sogar Gewinn erzielte. Davon nimmt Sohn Steffen jetzt ein paar Tage Abstand, denn vom 17. - 22. Februar möchte sich der neue Chef seinen Gästen mit einem Kennenlern-Angebot vorstellen und bietet auf alle Speisen und Getränke 10 Prozent Rabatt. |
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