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"Geiz ist nicht geil!"
Schüler demonstrierten gegen Streichung des Möbelbudgets
(2003-02-27 | br) Bad Berka (itn) - Eigentlich bot der Marktplatz in Bad Berka gestern ein sehr idyllisches Bild. Bei strahlend blauem Himmel taute die Sonne die letzten Schneeflocken weg und Vögel zwitscherten erste Frühlingslieder. Für die Schüler des Gymnasiums Bad Berka wäre das eigentlich der ideale Nachmittag gewesen, um Eis zu naschen und auf der Parkbank dem Müßiggang zu frönen. Diese Einstellung teilten gestern allerdings die wenigstens. Gemeinsam mit etwa 350 gleichgesinnten Schülern, Lehrern, Eltern und Mitgliedern des Gymnasienfördervereines standen um 14.00 Uhr auch Caroline Kreißel (11/2) und Marcus Partschefeld (11/3) auf dem Marktplatz.
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Caroline Kreißel (11/2) und Marcus Partschefeld (11/3) fanden: "Geiz ist nicht geil!"
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Und statt Eistüten hielten die Gymnasiasten ihr Plakat „Geiz ist NICHT geil!“ hoch über die Köpfe der Mitschüler in die Luft und machten mit Trillerpfeifen ihrem Ärger über die geplante Kürzung des Möbelbudgets lautstark Luft. Nachgeben oder vertrösten lassen wollen sie sich so schnell nicht. “Wenn wir jetzt das Geld nicht bekommen, dann wird das nie mehr was“, lautete ihre Befürchtung angesichts immer knapper werdender Kassen.
400.000 der geplanten 530.000 Euro für die Ausstattung des sanierten Gymnasiums der Kurstadt sollen dem Rotstift im Kreishaushalt zum Opfer fallen. Da das restliche Geld nicht ausreicht, um wie ursprünglich geplant, vollständig neues Mobiliar zu kaufen, soll nun ein Mix von alten, noch funktionstüchtigen Möbeln und Neuerwerbungen den löchrigen Kreishaushalt heilen helfen. Schüler und Lehrer befürchten, dass unter diesen Bedingungen ein lehrplangerechter und moderner Unterreicht nicht möglich sein wird.
Neben Schulverwaltungsamtsleiter Jürgen Rockstroh, Bad Berkas Bürgermeister Klaus Lutterberg und Vertretern der Stadtratsfraktionen hatte auch Klaus-Dieter Eidam gestern nachmittag den Weg nach Bad Berka gefunden. Der Kreisbeigeordnete punktete bei den Schülern auch gleich mit seinem ersten Satz: „Ich bin heute nicht gekommen, um Ihnen zu sagen, warum etwas nicht geht sondern um Ihnen zuzusichern, dass wir gemeinsam eine Lösung für dieses Problem finden werden. Geht nicht gibt’s nicht!“ Eidam, der bereits am Dienstag zur Schulkonferenz in Blankenhain gemeinsam mit Landrat Hans-Helmut Münchberg Gesprächsbereitschaft signalisiert hatte, gab den Schülern noch ein Versprechen mit auf den Weg: „Ihr habt mein Wort, dass ihr im August in eine vernünftig ausgestattete Schule einziehen könnt.“ Zwar hatte auch er gestern noch kein Patentrezept für das verminderte Budget im Gepäck, sei aber auch für unkonventionelle Möglichkeiten, wie Spendensammlungen oder privates Sponsoring offen.
Schlechte Zeiten und gemeinsame Ziele schweißen zusammen auch Schüler. Und obwohl sie nicht in erster Linie von dem Problem betroffen sind, kamen aber auch Vertreter des Blankenhainer Schulteiles gestern nach Berka und sicherten Unterstützung zu. Schülersprecherin Christin Deege verdeutlichte den Zusammenhalt der Schulteile: „Schule ist nicht nur Politik, Schule das sind auch wir Schüler. Ich bin sehr froh über die rege Beteiligung und kann sagen: Auch Blankenhain steht hinter Euren Forderungen.“
Während der 30-minütigen Veranstaltung ergriffen mehrere Redner das Wort. Sowohl Andreas Henschel als auch Andreas Witzleb vom Gymnasienförderverein betonten, dass man einen gemeinsamen Weg zur Lösung des Problems finden wolle. Als Otto Piotrowskis erklärte, er habe im Kreistag den Antrag eingereicht, die Streichung der Mittel zu widerrufen, erntete er tosenden Applaus. Ob der Antrag allerdings so bestätigt wird, bleibt angesichts der finanziellen Situation des Landkreises fraglich. Eine Entscheidung wird in der Sitzung des Kreistages in Pfiffelbach erwartet. Auch zu dieser Veranstaltung wollen die Berkaer Demonstranten heute Abend mit einem Bus anreisen.
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