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Jetzt Zeit für die Familie nehmen ITN-Interview mit Kranichfeld scheidendem Bürgermeister Gerhard Pletat
ITN: Bis zu Ihrem Rücktritt am 30. April sind des nur noch sechs Wochen. Was wollen Sie bis dahin unbedingt noch erledigt wissen? Es wäre für mich eine Beruhigung zu wissen, dass die wenigen investiven Maßnahmen in diesem Jahr auch umgesetzt werden. Die Weichen dazu haben wir vor drei Wochen mit dem Haushalt 2003 im Stadtrat gestellt. Mit der Sanierung und Umgestaltung von Baumbachstraße und Baumbachplatz und der Rekonstruktion des Friedhofes sind wichtige Maßnahmen um die Struktur der Stadt weiter zu verbessern. Auch den Umbau des Jugendklubs hätte ich gern noch selbst zu Ende gebracht; der Fortschritt ist mittlerweile schon unübersehbar. ITN: Wenn Sie auf ihre Jahre als Bürgermeister zurückblicken, was bewerten Sie als besonders positiv, was eher negativ? Ich bin schon ein wenig stolz, dass wir nach jahrelangen Bemühungen das Bauprojekt "Anger" endlich abschließen konnten und mit tatkräftiger Hilfe des Eigenbetriebes Wohnungswirtschaft einen neuen Kindergarten und Jugendklub realisieren konnten.
Allerdings hätte ich zu Beginn meiner Amtszeit nie gedacht, dass sich die finanzielle Situation der Stadt so rapide verschlechtern könnte und damit kein Handlungsspielraum für den Bürger da ist. Meinen damaligen festen Vorsatz, den kommunalen Schuldenberg um 50 Prozent abzubauen, habe ich deshalb leider nicht erfüllen können. ITN: Ihre Meinung zur möglichen Kandidatur der CDU-Fraktion um ihre Nachfolge? Mit ist egal, welcher Partei mein Nachfolger angehören wird. Entscheiden für mich ist, dass er willens ist und die Fähigkeit hat, die begonnenen Sachen fortzuführen und vor allem auch ein Herz für die Stadt hat. ITN: Welchen Tipp würden Sie ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben? Er sollte versuchen, die Fraktionsgrenzen im Stadtrat zu überwinden und die vernünftige und emotionslose Sachdiskussion in den Vordergrund zu rücken. Ich glaube, dass mir das in den vergangenen Jahren ganz gut gelungen ist. Außerdem wünsche ich mir, dass mein Nachfolger Visionen hat. Für die sollte er kämpfen und streiten, aber auch wissen, wann er klein bei geben muss. ITN: Stichwort Niederburg? Die Burg sollte nicht verkauft, sondern wieder über einen Erbpachtvertrag an einen Nutzer übergeben werden, weil die Stadt allein mit der Unterhaltung überfordert wäre. Der bisherige Vertrag mit Mühl hat gezeigt, dass eine Vergabe an ein Wirtschaftsunternehmen den Erhalt und Ausbau des historischen Gebäudes sichern kann. Bei der Art der Nutzung sollte auf alle Fälle die Symbiose zwischen Burg, Freilichtbühne und Planhof im Vordergrund stehen. Haben Sie ihre Entscheidung, dass Amt vor 3,5 Jahren angetreten zu ITN: haben, je bereut? Nein. Obwohl es natürlich auch Tage gab, an denen ich dachte: "Warum tust Du Dir das überhaupt an?". Zum Beispiel bei aufreibenden Kämpfen in der eigenen Fraktion oder wenn ich Briefe mit Beitragsforderungen in Höhe von 52.000 Euro an ein Rentnerehepaar ausstellen musste. Trotzdem überwiegt im Großen und Ganzen das befriedigende Gefühl, dass ich in meiner Amtszeit auf die Entwicklung meiner Stadt Einfluss nehmen konnte. ITN: Werden Sie sich nach Ihrem Rücktritt ganz aus der Politik zurückziehen? Meinen Sitz im Kreistag werde ich bis zum Ende der Legislaturperiode behalten und auch weiterhin im Vorstand der Bürgerallianz tätig sein. Aber nach 51 Jahren Arbeit möchte ich mich jetzt mehr der Familien und meinen Hobbys widmen. Mal wieder ein gutes Buch lesen, fotografieren und wieder mehr Kultur erleben. Mein momentaner fester Vorsatz lautet: Keine aktive Kommunalpolitik mehr. Ob ich mich vielleicht später wieder mehr politisch engagiere, lässt sich jetzt noch nicht einschätzen und wird sich zeigen. |
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