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Kranichfeld vor der Bürgermeisterwahl 2003

Vier Kandidaten stellen sich für das Ehrenamt

Sven Wilke
Sven Wilke (Einzelbewerber)

39 Jahre, verheiratet, zwei Kinder, Betriebswirt und öffentlich bestellter und vereidigter Immobilien-Sachverständiger.

Er führt das 160 Jahre alte Textilhaus seiner Familie und will Handel und Gewerbe in Kranichfeld stärken.

1. Warum haben Sie sich trotz der (finanziell unattraktiven) Restlaufzeit und Ehrenamtlichkeit als Bürgermeister beworben?
Mit der bisherigen Kommunalpolitik sehe ich mich vor allem als Selbstständiger nicht vertreten. Aus meiner Sicht ist hätte in der Vergangenheit mehr für die Bürger und Gewerbetreibenden getan werden müssen. Ich möchte mich einmischen und damit die Möglichkeit nutzen, einiges zu bewegen und zu verändern. Ich biete den Kranichfelder Wählern mit meiner Kandidatur eine Alternative zu den übrigen Kandidaten großer Parteien zur Wahl des Bürgermeisters.

In der kurzen Restlaufzeit und in Anbetracht der Ehrenamtlichkeit wird es schwierig werden, Visionen und Ideen zu realisieren und Veränderungen herbeizuführen. Dennoch sehe ich es als Herausforderung, mich in dieser Form kommunalpolitisch zu engagieren, zumal eine Berufsaufaufgabe für mich derzeit nicht zur Diskussion stehen würde.

2. Was wollen Sie in Ihrer ehrenamtlichen Amtszeit für die Stadt erreichen?
Ich möchte in Zukunft Fehlentscheidungen vermeiden und erachte es z.B. als einen Fehler, zusätzliche Verkaufsfläche am Ortsrand zuzulassen und dafür die Zunahme von Leerständen und Insolvenzen und damit Arbeitsplatzverlusten im Stadtkern in Kauf zu nehmen. Statt der Zunahme weiterer Handelsflächen für den neuen Discountmarkt in der Erfurter Straße wäre aus meiner Sicht die Einflussnahme und damit Steuerung zur Errichtung einer Anlage für altersgerechtes Wohnen ggf. betreutes Wohnen erstrebenswert gewesen. Dennoch sehe ich Chancen, dieses zu verwirklichen.

Ich möchte versuchen, Ideen und Visionen zu verwirklichen, welche die Wirtschaftsstruktur der Stadt verbessern. Aus eigener Erfahrung darf Handwerk, Gastronomie, Handel und Gewerbe nicht weiter "stiefmütterlich" behandelt werden. Bekannter weise sind sie Rückrat der örtlichen Wirtschaft und darüber hinaus Arbeitgeber, Ausbilder und Steuerzahler und wurden bisher vernachlässigt. Kranichfelder Firmen werden bei Ausschreibungen kaum berücksichtigt. Ein Gewerbegebiet fehlt gänzlich.

Was wird aus den nicht mehr benötigten Immobilien der insolventen Mühl AG, ereilt diesen das gleiche Schicksal wie dem Kranichfelder Kranich? Diese müssen aus meiner Sicht unbedingt wiederbelebt und eine Gewerbeansiedlung angeregt und gefördert werden. Gewiss wird dies aufgrund der schlechten konjunkturellen Ausgangslage sehr schwer sein, die Chance darf jedoch nicht vergeben werden. Eine sichtbare Verbesserung der Wirtschaftstruktur wird langfristig zu mehr Arbeitsplätzen und höheren Einnahmen führen.

3. Gibt es freiwillige Leistungen der Stadt, die Ihrer Meinung nach trotz der schwierigen Finanzlage unbedingt erhalten werden müssen?
Aufgrund der schlechten Haushaltslage der Stadt wird es schwer werden, kulturelle und soziale Einrichtungen zu erhalten. Dennoch sehe ich es als unbedingt erforderlich diese zu erhalten. Ich denke da z.B. an den weiteren Erhalt der Bibliothek und der Förderung des Baumbachhauses. Das "Kaputtsparen" in Form von Schließungen kultureller und sozialer Einrichtungen darf es trotz der schlechten Finanzlage nicht geben, denn bekanntlich kann zerstörtes nicht wiederbelebt werden. Ein Beispiel dafür stellt das Kranichfelder Waldbad dar.
4. Wie schätzen Sie die Bedeutung von Kultur- und Tourismus für Kranichfeld ein?
Kultur und Tourismus waren und sind für die Stadt von großer Bedeutung und stehen meiner Ansicht nach miteinander in Wechselwirkung. Oberschloss, Niederburg und Baumbachhaus bieten eine gute Ausgangsbasis für eine weitere Entwicklung. Ohne kulturelle Basis ist der Tourismus kaum vorstellbar und steht einer weiteren touristischen Entwicklung entgegen. Ich sehe es für unbedingt erforderlich, ein Tourismuskonzept zu erstellen und dieses umzusetzen.

In Kranichfeld prägen viele Vereine das kulturelle Leben der Stadt. Diese müssen weiterhin unterstützt und in die Kranichfelder Kulturlandschaft integriert werden. In diesem Zusammenhang gilt es, die Leistungen aller aktiven Mitglieder aller Kranichfelder zu würdigen.

Die Verödung der Innenstadt in Form der Zunahme leerstehender Immobilien sowie Geschäfte und Gaststätten wird der Entwicklung des Tourismus entgegenwirken. Eine attraktive Innenstadt ist Grundlage für ein lebenswertes Kranichfeld und uneingeschränkte Vorraussetzung für die Erhaltung des für Kranichfeld wichtigen Tourismus.

5. Wenn ein Spender der Stadtkasse unverhofft 500.000 Euro vermachen würde, was würden Sie mit dem Geld als Erstes machen?
Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, da sie betriebs- und finanzwirtschaftliche Analysen voraussetzt. Aus meiner Sicht muss abgewogen werden, ob diese Summe zur Konsolidierung des Haushaltes verwendet werden sollte, oder ob damit die wirtschaftliche Ausgangslage längerfristig verbessert werden kann und in die Zukunft und damit in Wachstum und Beschäftigung investiert werden sollte. Dazu zählen Tourismuskonzepte ebenso wie Konzepte zur Ansiedlung von Gewerbe bzw. der Reanimation leerstehender Immobilien z.B. der Niederburg.

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