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1000 Patienten beim Gottesdienst Was bedeutet Seelsorge in der Zentralklinik Bad Berka?
Die Seelsorge hat in der Zentralklinik Bad Berka bereits eine lange Tradition. Der evangelische Pfarrer Prof. Dr. Gernot Weirich ist seit 1971 im Haus. Mit ihm sind zur Zeit Pfarrer Christoph Brinkmann und sein katholischer Kollege Pfarrer Reinhard Jarski für die Seelsorge in der Zentralklinik zuständig. Unterstützt wird ihre Arbeit von vier ehrenamtlichen "Grünen Damen". Im letzten Jahr besuchten ca. 1.000 Patienten die angebotenen Gottesdienste. Schätzungsweise 4.000 bis 5.000 Patienten wurden insgesamt von den Seelsorgern und den Grünen Damen am Bett besucht.
Es gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen, das, was mit ihm geschieht, verstehen zu können oder wollen. Der Mensch vermag nach dem Sinn seines Lebens zu fragen. Wenn es sich dabei um schwere Lebensereignisse wie eine Krankheit handelt, dann versagt häufig die bewährte Bewältigungsstrategie "Ich habe alles im Griff!". Durch krisenhafte Ereignisse kann das bisherige Leben so verändert, ja in Frage gestellt werden, dass das Bedürfnis nach Deutung und Bewältigung groß ist. Diese Hilfe kann vom medizinisch-pflegerischen Personal angesichts zunehmender Technisierung und Spezialisierung im Krankenhaus selten erfolgen. Hier ist die Seelsorge ein Ansprechpartner. Die Aufgabe des Seelsorgers ist dabei nicht die des Ratschlaggebenden, sondern die des Hörenden. Es gilt zu fühlen, wer der andere ist, wie es ihm innerlich geht, was für ihn innerlich an der Zeit ist, wie er die Seelsorge brauchen kann, und was sie ihm eventuell geben können. Seelsorge versteht sich als Bestandteil ganzheitlicher Pflege und Betreuung. Da ist die Zusammenarbeit und der Austausch mit allen Diensten im Krankenhaus zu pflegen und sinnvoll zu koordinieren. Überdies bringt die Seelsorge auch ein anderes Verständnis von "Helfen" mit. Helfen heißt im Krankenhaus vor allem etwas machen: diagnostisch, medikamentös, operativ, pflegerisch. Seelsorge versteht "Helfen" aber auch als Da-sein oder Dabei-bleiben. Stößt die Medizin an ihre Grenzen, ist diese Haltung des Helfens noch wichtiger für die Patienten. In einer Welt, in der alles machbar scheint, ist die Solidarität mit denen, die ihre Ohnmacht und Hilflosigkeit erleben, ein wichtiger Akt der Solidarität. Auch in der Diskussion ob und wie weit jedes Mittel, jeder Versuch recht ist, um Leben zu erhalten, sind die Überlegungen der Seelsorge für ein Krankenhaus bedeutsam (z.B. Ethik-Kommissionen, Patientenverfügungen, Intensivtherapie usw.). Zudem ist die Seelsorge im Kontakt mit Angehörigen ein unverzichtbarer Partner. Häufig kommen diese auch in den sonntäglichen Gottesdienst in der hauseigenen "Elisabeth-von-Thüringen"-Kapelle und bitten danach um ein Gespräch. Konfessionen, Glaube oder Nichtglaube sind kaum ein Hinderungsgrund. Da, wo von Gott menschlich geredet wird und vorurteilslose Annahme und Zuwendung erfolgen, zählt nur der Mensch in seiner Not. Diese "Gemeinde auf Zeit" unterscheidet sich von den "Vereinsstrukturen" mancher Ortsgemeinden durch die Motivation, durch die Krisensituation und den ständigen Wechsel. Letzterer führt dazu, dass jährlich eine große Menschenzahl die Seelsorge erfährt. Eine langjährige Grunderfahrung der Seelsorge ist die Tatsache, dass gerade in Grenzbereichen existentieller Art die Sehnsucht nach spiritueller Hilfe aufbricht, wie unterschiedlich diese dann auch aussieht oder gewünscht wird. Der vielzitierte Atheismus in unseren Breitengraden entdeckt immer häufiger, dass der blanke Materialismus nicht zur Heilung des Körpers und der Seele führt, sondern die Hoffnung, dass sich das Leben lohnt, das Vertrauen in den Urgrund des Lebens und in eine menschliche Medizin. Viele zusätzliche Aspekte der Seelsorge, die in der Zentralklinik Bad Berka gepflegt werden, können seien noch kurz benannt: Gewinnung von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen im Besucherdienst, Begleitung von Theologiestudenten im seelsorgerischen Praktikum, Kontakt zu örtlichen Kirchengemeinden, ökumenische Zusammenarbeit, Betreuung ausländischer Patienten oder auch Mitarbeiter, und nicht zuletzt die Seelsorge von ehemaligen Klinikmitarbeitern, die oft sehr einsam sind. |
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