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Schweres Zugunglück bei Holzdorf

Frontalzusammenstoß von zwei Triebwagen der Ilmtal-Strecke zwischen Kranichfeld und Weimar

(2003-09-28 | br)
Holzdorf (itn) - Ein schweres Zugunglück hat sich heute Mittag auf der Bahnstecke Kranichfeld-Weimar ereignet. Wenige hundert Meter nördlich des Bahnhofes Holzdorf prallten zwei Regionalzüge auf einer eingleisigen Stecke unter der Autobahn frontal zusammen.

Die Triebwagen der Baureihe VT 6 - 41 prallten in einer unübersichlichen Kurve hinter dem Bahnhof Holzdorf mit etwa 40 km/h frontal zusammen.
Die Triebwagen der Baureihe VT 6 - 41 prallten in einer unübersichlichen Kurve hinter dem Bahnhof Holzdorf mit etwa 40 km/h frontal zusammen. (Foto: Eppelin)

Bei dem Unglück gab es nach ersten Angaben eine Tote und 29 zum Teil schwer verletzte Passagiere. An Bord beider Triebwagen sollen sich insgesamt 40 Fahrgäste befunden haben.

Links zum Thema:
» Deutsche Bahn

Offenbar hatten die Zugführer wegen der örtlichen Gegebenheiten keine Chance, die Katastrophe doch noch zu verhindern. Der aus Obergrundstedt kommende Zug mit der Nummer 26 507 musste eine Steigung überwinden und kam dem aus Richtung Kranichfeld fahrenden Zug 26 506 in einer unübersichtlichen Kurve in der Autobahnunterführung um 13.05 Uhr entgegen. Beide Triebwagen der Ilmtalbahn rasten nach ersten Erkenntnissen ungebremst mit etwa 40 km/h ineinander.

Kurz danach waren pausenlos Rettungsfahrzeuge, Feuerwehren und Polizei zur Unfallstelle aufgebrochen, denen sich dort ein Bild des Grauens bot, denn die Züge wurden durch die Wucht des Aufpralls etwa 8 Meter auseinander geschleudert. Eine 77-jährige Frau aus Weimar überlebte die Kollision nicht, fünf Passagiere waren schwerst, zehn schwer und 14 leicht verletzt.

Journalisten wurden zunächst nicht zum Unfallort vorgelassen und konnten den Umfang des Unfalles anfang nur erahnen. Am Himmel kreisten vier Hubschrauber und es waren Polizisten aus Weimar, Erfurt, Jena und Nordhausen im Einsatz, die von der Bereitschaftspolizei und dem Landeskriminalamt Thüringen unterstützt wurden. Dutzende Rettungsfahrzeuge der Berufsfeuerwehr, des Roten Kreuzes und der Johanniter standen neben der Bahnlinie.

Die Verletzten mussten über Tragen vom Unglückort in die Rettungswagen und Hubschrauber transportiert liegen. Dabei mussten die Rettungskräfte einen Höhenunterschied von bis zu drei Metern überwinden, um die Unfallopfer vom Gleisbett auf das angrenzende Feld zu transportieren, auf dem ein provisorisches Lager zur Erstversorgung eingerichtet wurde. Rettungshubschrauber brachten die Schwerstverletzten in die umliegenden Kliniken.

Auch am frühen Abend war die Ursache des Unglückes noch unklar. Die Bahnstrecke Weimar-Kranichfeld ist zwischen Holzdorf und dem Berkaer Bahnhof einspurig und kann deshalb nur im Wechsel befahren werden. Normalerweise begegnen sich die Züge am Bahnhof in Holzdorf, der zweispurig ausgebaut ist. "Die Zugführer müssen sich von dort per Funk bei der Zugleitzentrale am Berkaer Bahnhof in Weimar melden, um die Erlaubnis zur Weiterfahrt zu erhalten", war die Auskunft von Volker Wente, dem Sprecher des Verkehrsbetriebes der DB Regio.

Unmittelbar nach der etwa dreistündigen Bergung begannen die Ermittlungen zum Unfallhergang, die auch am frühen Abend noch unklar war. Die Staatsanwaltschaft hat die Tonbänder, die den Funkkontakt zwischen Fahrdienstleiter und Zugführer aufzeichen, beschlagnahmt und erhofft sich von der Auswertung die Aufklärung, ob der Fahrdienstleiter der in Richtung Weimar fahrenden Bahn womöglich zu früh das Abfahrtssignal erteilte. Auch Kripo, Bundesgrenzschutz und Eisenbahnbundesamt ermitteln und erhoffen sich ebenfalls Hinweise von den Fahrtenschreibern..

Psychologen, die auf den Einsatz bei Unfällen und Katastrophen spezialisiert sind, waren vor Ort und kümmerten sich um die Angehörigen, die voller Angst um Verwandte an den Unglücksort geeilt waren. Gegen 14.30 Uhr traf Weimars Oberbürgermeister Volkhardt Germer vor Ort ein, sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus und besuchte noch am Abend die Verletzten im Weimarer Klinikum. Ebenfalls vor Ort informierten sich Thüringens Innenstaatssekretär Scherer und Wirtschaftsminister Reinholz sowie Generalstaatsanwalt Schubert und Landrat Münchberg. Für Betroffene, die nicht sofort zum Unglücksort kommen konnten, hatte die Polizei unter der Telefonnummer 03643/882180 eine Hotline eingerichtet.

In den letzten Jahren hatte die Bahn auf der Unfallstrecke für Bahnhöfe, Bahnübergänge und Signaltechnik Investitionen in Millionenhöhe getätigt und 2001 die verunfallten Triebwagen der Baureihe VT 6 - 41 eingesetzt. Die Züge bieten 80 Fahrgästen Platz, sind auf den Stecken der Ilmtalbahn mit höchstens 50 km/h unterwegs und im Durchschnitt mit 40-60 Prozent ausgelastet. Weil sie sehr stabil gebaut sind, haben sie auch relativ wenig Schaden genommen - trotzdem sind beide schrottreif, wie Werte bestätigte.

Die Bahnstrecke wurde voll gesperrt und Schienenersatzverkehr eingerichtet, denn dass die Bergung der Triebwagen sehr schwierig werden wird, erklärte Volker Wente von DB-Regio. Bei dem Unglück, dass das bisher schwerste auf der Strecke der Ilmtalbahn ist, kann menschliches Versagen bisher nicht ausgeschlossen werden.


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